Zur Überwindung des Todes, Teil 2: Wege zur „Unsterblichkeit“

Eine Anmerkung vorweg: Unsterblichkeit ist ein großer Begriff, der nachfolgende Artikel soll einen groben Überblick über (teilweise bereits heute realisierbare) Möglichkeiten geben, die menschliche Lebenszeit bedeutend zu verlängern. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Vollzähligkeit; er ist eher als kleiner Überblick bzw. Einführung in das Thema gedacht und kann ggf. als Ausgangspunkt für eigene Recherchen dienen.

Unsterblichkeit

1. Unsterblichkeit durch Gezüchtete Organe

Organhandel ist ein Thema der 90er; Organspende eines der 00er.
Mittlerweile kann man Organe drucken, und zwar mit ein paar Zellen eines Spenders bzw. des Empfängers. So kann sich praktisch jeder selbst seine eigene Organfabrik ermöglichen und durch permanenten Austausch des schwächsten Gliedes in der Kette am Leben bleiben.
Und wenn erst das Angebot individualisiert, verfügbar und günstig ist, werden derartige Operationen wahrscheinlich derart alltäglich, dass auch die Operationstechniken bis ins kleinste verfeinert und ggf. sogar vom Menschen zur Maschine verlagert werden. So werden auch die Gefahren und mögliche Komplikationen trotz mehrerer Operationen stetig geringer. Realisiert wird das Ganze mittels verschiedener Technologien; so kann das Organ gedruckt oder mittels eines biologischen Gerüsts gezüchtet werden.

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Laut organdonor.gov sterben jeden Tag im Durchschnitt 22 Menschen, während sie auf eine Transplantation warten. Gezüchtete Organe haben nicht nur das Potenzial, diesen Menschen zu helfen, sondern können auch dazu beitragen, unsere Lebensdauer ungeheuer zu erhöhen, indem sie neue frische Organe so allgegenwärtig machen, dass eine Herztransplantation irgendwann so einfach sein wird wie ein Reifenwechsel.
Es wurden bereits verschiedene Organe gezüchtet und erfolgreich eingesetzt.
Mit dieser Technik kann der Tod durch Organversagen bald schon zu einem Übel der Vergangenheit werden.

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2. Werde ein Cyborg

Eine weitere Möglichkeit, auf unbestimmte Zeit die Lebenserwartung erhöhen, ist das Verschmelzen unseres Körper mit Maschinen.
Durch das Ersetzen von Gliedmaßen, defekter Organe und jedem anderen Körperteil, der nicht ordnungsgemäß funktioniert, werden die Menschen in der Lage sein, die gebrechlichen Körper, die ihnen die Evolution gab, durch Teile zu ersetzen, welche weit langlebiger, robuster und effektiver sind.
Zurzeit sind wir so gesehen hier jedoch noch in der Bronzezeit des Human Enhancements. Rein technisch gesehen sind aber bereits heute alle Menschen, die einen Herzschrittmacher, eine künstliche Niere, ein Titangelenk oder sogar nur eine Brille haben, Cyborgs; von daher ist dies weit weniger Zukunftsmusik, als es sich momentan vielleicht anhört. Schon heute können ehemals Blinde dank neuer Technik teilweise wieder genauso oder sogar noch besser sehen als Menschen ohne Behinderung; und diese Entwicklung wird an vielen verschiedenen Fronten zeitgleich massivst vorangetrieben, auch wenn dies nicht immer sofort offensichtlich ist.
Dieser Prozess ist aktuell nur deshalb noch so vermeintlich zurückhaltend, weil er noch sehr kostenintensiv ist. Aber auch diese hohen Kosten befinden sich, ebenfalls durch neue Technologien, aktuell im freien Fall. Im Falle von Prothesen sind die Preise beispielsweise binnen weniger Jahre von 80 000 Euro auf weniger als 400 Euro gefallen.
Um es mit den Worten von Juan Enríquez Cabot zu sagen: „Sind Sie dafür bereit, dass unsere Kinder eine andere Spezies sind als wir?“

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3.Unsterblichkeit durch Jungblutbehandlung

Jungblutbehandlung oder Parabiose, im Sinne eines längerfristigen Austauschs von Blut zwischen verschiedenen Individuen, ist eine bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannte Methode zur Verjüngung von Lebewesen. Neu ist allerdings das potenzielle Ausmaß dieser Methode.
In Versuchen mit Mäusen und anderen Tieren wurden zum Teil enorme Auswirkungen festgestellt. So verjüngten sich die Zellen des älteren Nagers, während die des jüngeren Blutgebers zu altern schienen. Auch im Gehirn der Mäuse waren Unterschiede auf struktureller als auch auf molekularer Ebene erkennbar.
Manche Wissenschaftler glauben, mittels Blutinfusionen die Auswirkungen des Alterns bereits umkehren zu können; doch um diese These wirklich stichhaltig prüfen und verfeinern zu können, fehlt aktuell die Finanzierung.
Dennoch ist dies eine Möglichkeit, die man nicht aus dem Auge verlieren sollte.

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4. Gen- bzw. Zelltherapie und Autophagie

Bei Gen- bzw. Zelltherapien versucht man, mithilfe einer Veränderung der Körperzellen durch verschiedene Verfahren, die permanente Wandelbarkeit und biologische Flexibilität des Körpers beizubehalten.
Einige eher esoterische Verfahren sind dabei allerdings zum aktuellen Zeitpunkt kaum zu empfehlen. Welche Fortschritte hier noch zu erwarten sind, ist schwer zu sagen, aber der prinzipielle Ansatz birgt zumindest Potenzial.
Ein Erfolg versprechender Ansatz ist auch die Beeinflussung der Autophagie; dies ist ein zellulärer Prozess, bei dem die Zelle eigene Bestandteile abbaut bzw. verwertet (sozusagen recycelt). Das recycelte Material kann dann für die Produktion dringend gebrauchter Nährstoffe oder anderer Moleküle für den Zellstoffwechsel verwendet werden, wodurch die Zelle länger jung bleibt. Gerade bei älteren Menschen funktioniert das Entsorgungssystem jedoch oft nicht mehr problemlos, was zu etlichen Krankheiten führt.
Es gibt jedoch Stoffe wie Spermidin oder Tat-beclin-1, die die Autophagie in Zellen starten und entsprechend in zukünftigen Medikamenten enthalten sein könnten. Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass auch regelmäßiges Fasten (bei Nahrungsmangel bzw. weniger einzelnen Mahlzeiten fahren die Zellen die Autophagie hoch) unser Leben verlängern könnte. Da diese These umstritten ist, spricht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung aber (noch) keine Empfehlung aus, wie viele Mahlzeiten wir pro Tag zu uns nehmen sollten.

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5. Unsterblichkeit durch Kryostase

Sich einfrieren lassen, bis Fortschritt und Technik so weit sind, dass man u. a. theoretisch ewig leben kann, dieses Versprechen gibt die Kryonik.
Streng genommen kann man auf diese Weise sogar unsterblich werden, wenn man ewig im Eis „überlebt“ (unter der Annahme, dass die Kryostase-Kammer unversehrt bleibt); aber das ist natürlich nicht das, was man sich unter „Unsterblichkeit“ wohl vorstellt.
Kryostase ist allerdings ein „Glücksspiel-Verfahren“ zur Unsterblichkeit, da nicht jeder beim aktuellen Stand der Technik davon ausgehen kann, dass er wie Fry in Futurama sofort gesund und munter ist, sobald er wieder aus der Kryostase erwacht. Tatsächlich ist es eine große technische Herausforderung, dass beim Einfrieren keine Kristalle entstehen, die insbesondere die Gehirnstrukturen (und damit das, was ein Bewusstsein im Wesentlichen ausmacht) irreparabel zerstören könnten.
Aber beispielsweise kombiniert mit Nanotechnologie, kann Kryostase auf verschiedenen Wegen eventuell eine Möglichkeit sein, „unsterblich“ zu werden.

Links zum nachlesen:

Bemerkung:

Dieser Artikel ist eine persönliche Meinung des Autors und soll als Diskussionsgrundlage, oder um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, genutzt werden. Die hier dargelegten Standpunkte stellen nicht zwangsläufig die der TPD dar.

Dieser Artikel ist der 2. Teil einer dreiteiligen Serie zum Thema „Unsterblichkeit“

Hier geht es zum ersten Teil der Serie: https://transhumane-partei.de/zur-ueberwindung-des-todes-teil-1-altern/

Hier geht es zum letzten Teil der Artikelserie: „Fünf Wege zu ewigem Leben

Steven Bärwolf