Rettung des Regenwaldes

Was können wir zur Rettung des Regenwaldes tun?

Es braucht nur zwei Firmen zur Rettung des Regenwaldes

Normalerweise fallen einem als Erstes beim Thema Regenwaldrettung- und Schutz Initiativen wie der WWF oder Greenpeace ein. Auch kennt man das Thema aus fast täglich erscheinenden Artikeln über die Gefährdung dieses essenziellen Habitats oder denkt an die den meisten Menschen bekannten Alltagstipps oder ähnliche eher unbekannte Ratschläge zur Regenwaldrettung für jeden, der nicht die finanziellen Möglichkeiten eines reichen Unternehmensgründers zur Verfügung hat.

Soweit, so gut; doch die pragmatischsten Initiativen sind den meisten Menschen wahrscheinlich unbekannt. Dies sind Initiativen, welche nicht versuchen mit Verzicht und nett gemeinten Worten den Regenwald zu schützen (ohne die zweifelos wichtigen und großen Erfolge dieser Projekte schmälern zu wollen), sondern sie spielen nach den Regeln des Kapitalismus und haben daher langfristig betrachtet vermutlich noch die größten Erfolgswahrscheinlichkeiten.

Es gibt zum Beispiel den Ansatz, einfach die Regenwaldfläche im Auftrag des Kunden zu kaufen und so dank komplexeren Rechtsgrundlagen längerfristig für deren Schutz sorgen zu können als Aufrufe, deren Sinn und Auswirkung in Ihrer Wirkung weder nachvollziehbar sind, noch im Gedächtnis bleiben, sobald sie vorbei sind.

Es sind Initiativen wie diese, diese oder diese, die Regenwaldfläche direkt von der Regierung zumeist aufkaufen und damit rechtlich und faktisch die Abholzung schwieriger gestalten. Meist werden auch ortsansässige Einwohner direkt mit in den Prozess eingebunden und deren Leben verbessert, sodass diese nicht gezwungen sind, aufgrund von Existenzängsten selbst Ihre Lebensgrundlage zu vernichten.

Dann gibt es noch exotische Lösungen wie diese, welche die technische Entwicklung nutzt, um den Regenwald zu retten und alte Smartphones nutzt, um Wilderer aufzuspüren. Oder es gibt auch ökologische Suchmaschinen, oder, oder, oder …

Man kann schnell erahnen, dass es eine große Bandbreite von Lösungsansätzen gibt und die hier aufgezählten, sind bei Weitem nicht alle.

Auch wenn all diese Hinweise und Initiativen zweifelsohne von großer Bedeutung sind, sie sind allerdings fast alle vor der „Technologisierung“ entstanden. Das heißt, vor der Zeit von Netzwerk- und Multiplikatoreffekten durch Vernetzung und Plattformen, vor 3D-Druck und Nanotechnologie, vor Drohnen und selbstlernender Software.

Und das merkt man in ihrem Ansatz: sie wollen zahlreiche Einzelne bewegen, mit vielen kleinen Schritten Großes bewirken. Das ist definitiv wichtig, aber geht es auch anders? Gibt es auch die großen Projekte, die binnen weniger Monate und Jahre die gesamte Erde verändern wollen, wie es vielen heutigen Startup-Unternehmen zu eigen ist? Ja, die gibt es.

So wählen unter anderem die zwei Startups „biocarbonengineering“ und „afforestt“ einen ungleich größer gedachten Ansatz.
Gerne will ich diese Unternehmen kurz vorstellen.

Biocarbonengineering ist ein Startup mit dem Ziel, jedes Jahr mindestens 1 000 000 000 Bäume automatisiert zu pflanzen. Das haben sich keine Amateure an einem wilden Freitagabend vorgenommen – das Gründerteam besteht u. a. aus ehemaligen NASA-Ingenieuren, Doktoren des biomedizinischen Ingenieurwesens und Mitarbeitern des World Resources Institute in Indien.

Dabei werfen, stark vereinfacht gesprochen, das Land überfliegende Drohnen automatisiert hunderttausende Samenbehälter ab, aus welchen sich dann Sämlinge entwickeln. Vorher wird das entsprechende Gebiet überprüft und ein exakter Plan des Pflanzungsgebietes gemacht; danach wird alles überwacht, um den Fortschritt stets im Blick zu behalten. Vorteil dabei ist, dass man so, selbst in Konfliktgebieten oder abgelegenen Zonen, effektiv Wiederaufforstung betreiben kann. Genauer kann man sich das Vorgehen hier und hier durchlesen.

Man stelle sich Erfolg, Nachahmung, gar großangelegte Unterstützung für dieses Projekt vor – mit einem Male scheint Vieles möglich. Einzig die Zeit bis zum Eintritt eines globalen Effekts ist damit noch nicht verkürzt, auf quantitativer Seite jedoch ist dies ein extremer Fortschritt.

Das zweite hier skizzierte Startup greift praktischerweise genau in die Schwachstellen des ersten, denn es erhöht die Qualität der Bepflanzung enorm:

Afforestt ist ein Startup, mit einer Technik, Regenwald der sonst viele Jahrzehnte benötigt, in einem Jahr zu pflanzen.
Der Gründer Shubehendu Sharma ist Ökoentrepreneur und Wiederaufforstungsexperte sowie Wirtschaftsingenieur; er hat bei Toyota gearbeitet und dort Dr. Alora Miyawaki kennengelernt, sich seinem Team angeschlossen und zunächst in seinem Hinterhof ein eigenes Wäldchen gepflanzt.

In Kurzfassung, wird hierbei stark darauf geachtet, eine hohe Biodiversität, also viele erschiedene Pflanzen, Bäume und Sträucher, auf möglichst kleiner Fläche zu pflanzen, um dem natürlichen Regenwald so nahe wie möglich zu kommen. Dabei wird zuerst eine Untersuchung des Bodens und eine Anpassung der optimalen Düngung und Bepflanzung vorgenommen, dabei auf einheimische Arten geachtet und am Ende gemeinsam mit lokalen Anwohnern 50 bis 100 Sämlinge pro 3 bis 5 Quadratmeter eingesetzt.

Das Motto der Unternehmung ist dabei „Einen Wald zu den Kosten eines iPhones“ – Man könnte also zum nächsten Geburtstag einen eigenen Anteil zur Rettung des Planeten schenken. Auch dieses Projekt nutzt bereits Drohnen zur Überprüfung des Ausgangsbodens und zur Gewährleistung und Sicherung der Fortschritte. Ausführlicher erklärt finden sie das genaue Vorgehen in dieser Präsentation sowie hier hier und hier.

Oder am effektivsten in dem nur etwa 4 Minuten langen TED-Talk vom Gründer dieser wunderbaren Idee.

Man stelle sich nur die Möglichkeiten vor, die im Optimalfall aus der Kombination aus beiden Ansätzen erwachsen: Binnen eines Jahres könnten eine Milliarde neuer Bäume weltweit wachsen. Und das ausgehend von einem Team mit weniger als 100 Leuten. Man spinne dieses (nicht allzu unrealistische) Gedankenexperiment fort, erweitere es gegebenenfalls um staatliche Unterstützung, mehr Popularität und Unterstützung und man sieht eine Möglichkeit zur Abwendung des Klimakollapses – sofern die Zerstörung gleichfalls aufhört.

Das ist eine Welt, in der ich leben möchte. Danke darum schon einmal im Voraus an all die Leute, die so etwas möglich gemacht haben.

Natürlich ist mir klar, dass hier eine stark vereinfachte Sicht der komplexen Problematik zugrunde legt, aber es ist mir wichtig, die konkrete Option klarzumachen, die sich hier und heute bietet. Und wer weiß, vielleicht schaffen diese beiden Möglichkeiten, im Optimalfall gemeinsam, in kürzester Zeit in einer großen Bewegung den Regenwald vor dem Aussterben zu retten.

Ich bin bereits im Jahr 2015 mit den jeweils Verantwortlichen in Kontakt getreten und habe aufeinander aufmerksam gemacht und mögliche Synergieeffekte erklärt, was von beiden Seiten positiv aufgenommen wurde. Projekte wie diese zeigen jedenfalls einmal mehr, dass Technologie ein mittlerweile global wirksamer Hebel sein kann, selbst für wenige Personen. Und dass es nicht immer ausschließlich Roboter und Nanopartikel sein müssen, die unsere Zukunft verändern. Außerdem zeigen sie den Einfluss von Technologie – Probleme, die noch vor wenigen Jahren als absolut apokalyptisch bezeichnet wurden, scheinen heute mit den richtigen Mitteln sogar lösbar.

Um es mit den Worten des CEOs von biocarbonengineering zu sagen:

Wir müssen industrieller Abholzung begegnen, indem wir industrielle Wiederaufforstung dagegensetzen[1]

All die zarten „Pflänzchen“ dieser ambitionierten Projekte nicht direkt zu vereiteln oder gar zunichtezumachen, obliegt allerdings nach wie vor der Politik und der Wirtschaft.

Aus diesem Grund sind unsere Forderungen als Partei zu diesem Thema:

  1. Unterstützung von lokalen Regierungen und Menschen vor Ort
  2. Ächtung des Handels, der Rodung und der Verbreitung von Regenwaldhölzern
  3. Förderung von Programmen, die Menschen vor Ort Alternativen zur Zerstörung Ihrer eigenen Umgebung geben
  4. Renaturierung alter Bestände

Man kann sich also zu Recht die Frage stellen: „Ist der Regenwald noch zu retten?“ – Mit Initiativen, welche in derartigen Größenordnungen agieren, definitiv eher als ohne sie.

Und wirtschaftliche Interessen hinter der systematischen Vernichtung unserer Lebensgrundlagen kann man am besten entschärfen, wenn es keine Notwendigkeit mehr dafür gibt, da jeder versorgt ist. Wie man das am besten erreicht, erfahren Sie bald in einem anderen Artikel zum Thema Autarkie.

Was bleibt also noch zu sagen?
Handeln Sie bitte stets nach bestem Wissen und Gewissen, befolgen Sie so gut es geht die bekannten Alltagstipps und unterstützen Sie nach Möglichkeit entsprechende Initiativen. Denn auch wenn wir jetzt weitaus größere Möglichkeiten haben als früher, heißt dies nicht, dass wir von unserer Pflicht zum Schutz unseres Lebensraumes entbunden sind.

In diesem Sinne freue ich mich auf eine wundervolle Zukunft mit Ihnen.

Herzlichst

Ihr Benjamin Eidam

 

Dieser Artikel ist eine persönliche Meinung des Autors und soll als Diskussionsgrundlage, oder um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, genutzt werden. Die hier dargelegten Standpunkte stellen nicht zwangsläufig die der TPD dar.

Quellen:

[1] http://www.goodnewsnetwork.org/ex-nasa-man-to-plant-one-billion-trees-a-year-using-drones/

Benjamin Eidam

Benjamin Eidam ist Mitgründer und ehemaliger Vorsitzender der TPD. Als Experte, Coach und Speaker für Technologien, künstliche Intelligenz, Autarkie, Digitalisierung und Cybersecurity macht er diese Themen mit Freude erfahrbar. Mehr zu ihm auf seiner Webseite https://benjamineidam.com

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