Utopie oder Dystopie? Wie wird unsere Zukunft?

Utopie oder Dystopie? Wie wird unsere Zukunft?

Oft wird in der letzten Zeit gefragt, wo denn die Visionen bleiben – ist uns die Utopie abhandengekommen?

Was ist nur aus der Zukunft geworden?

Haben Kapitalismus und Imperialismus Hand in Hand unseren Fokus alleinig auf düstere, triste und gefährlich anmutende Dystopien reduziert?

Ist denn Orwell & co. alles was von unserer Zukunft übrig geblieben ist?

Fragen wie diese liest man momentan immer wieder, sei es in der Zeit oder der FAZ.

Und auch an uns wird immer öfter die Frage direkt heran getragen; was kann die Zukunft denn heute noch für uns sein? Ist da mehr als Überwachungsstaat und globaler Terror? Eine Alternative zu weltweiter Klimaverwüstung und automatengebrachter Armut? Gibt es noch Konzepte die uns nicht scheinheilig unter dem Deckmantel der rasanten Kapitalakkumulation zu Social-Media-Slaven verarbeiten wollen?

Und wenn ja, wer kennt und denkt diese noch?

Eine partiell erstarkte globale Rechte mit ihrer vermeintlich verheißungsvollen und hinterhältigen Schlangenölrhetorik?

Die neuen ultramächtigen Schwergewichte des Kapitals? Denn die Reste der “alten” und “Eliten von gestern” können es ja wohl ganz offensichtlich nicht sein, verstehen sie doch oft nichteinmal mehr in welcher Welt sie überhaupt täglich aufwachen. Weiterhin blind fortgeführte Demenzpolitik bringt uns der Zukunft also auch nicht einen einzigen Schritt in Kinderschuhgröße weiter entgegen.

 

Tja. Wer bleibt denn dann noch? (Außer Elon Musk)

 

Zuallererst die gute Nachricht: Es gibt da draußen noch die eine oder andere Utopie, die außerhalb des Hamsterkäfigs “denkt”. Es gibt sogar Utopien, die nicht einmal mehr auf “derselben Wiese von besagtem Käfig” spielen, sondern buchstäblich alles auf den Kopf stellen und “dem Hamster das fliegen lehren”. (man verzeihe mir die zurechtgebogene Hamstermetapher)

Und mit einer der potentiell disruptivsten und womöglich visionärsten Utopien der Neuzeit beginnen wir daher auch diese kleine Artikelreihe; mit der Autarkie.

Individueller Autarkie um genau zu sein.

 

In diesem Artikel geht es unter anderem um die Fragen:

  • Kann es in einer Zeit voller gefühltem Terror, Massenüberwachung und globaler Konflikte überhaupt noch Freiheit geben?
  • Kann ich als Einzelner überhaupt noch etwas für meine Freiheit tun – oder entscheiden darüber längst andere für mich?
  • Wie kann ich mich am effektivsten gegen kommende Krisen absichern ohne wie vor 100 Jahren leben zu müssen?
  • Kann ich allein etwas zu mehr Frieden, weniger Ungleichheit, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Kriegen beitragen?
  • Gibt es eine Utopie fernab von fliegenden Autos und Unterwasserstädten? Eine Utopie, die einfach nur mehr Sicherheit, Freiheit und Wohlstand für alle zur Folge hat?
  • All das und noch vieles mehr besprechen wir jetzt:

Die eierlegende Utopie-Wollmilchsau: Autarkie

Gehen wir systematisch vor; Autarkie, was ist das?

Wikipedia definiert Autarkie wiefolgt;

“Autarkie (altgr. αὐτάρκεια autárkeia ‚Selbstgenügsamkeit‘, ‚Selbstständigkeit‘)[1] im allgemeinen Sinne bedeutet, dass Organisationseinheiten oder Ökosysteme alles, was sie ver- oder gebrauchen, aus eigenen Ressourcen selbst erzeugen oder herstellen. Selbstversorgung muss im Gegensatz zur Autarkie nicht alles zur Lebenserhaltung aus eigenen Ressourcen bereitstellen.”

Autarkie definiert hier das Ziel, durch bestimmte technische Errungenschaften weitestgehend bis vollkommen unabhängig von der Außenwelt, beziehungsweise externen Versorgern jeder Art zu sein.

Insbesondere werden alle lebenswichtigen Güter selbst hergestellt. Oder in kurz:

Autarkie ist das Ziel unabhängig von externen Versorgern zu sein.

Das bedeutet Strom, Wasser, Internet, Nahrung, Wärme, deine Wohnung und die Kleidung die du trägst, sowie die Dinge mit denen du arbeitest werden dir jederzeit von einem in sich geschlossenen System für dich bereitgestellt. Im Optimalfall Just-in-Sequence. (Was bedeutet, dass du beim Frühstück in der von dir gewünschten Reihenfolge genau zur richtigen Zeit deinen Toast, danach die Kiwi und danach den Orangensaft bekommst)

 

Zusammengefasst: Deine eigenen 4 Wände kümmern sich um deine Grundbedürfnisse. (Oder Die ersten 2 Stufen deiner Bedürfnispyramide)

Schön und gut. Aber kann man diese Utopie auch realisieren?.

Tatsächlich geht vieles davon bereits heute. Noch nicht für alle Bereiche zu 100%, noch nicht jederzeit und überall, aber alle Entwicklungen um diese buchstäbliche Freiheit zu ermöglichen gibt es heute schon. Eine kurze Übersicht über die aktuellen Möglichkeiten:

 

Was? Energieversorgung Hygiene- und Wasser-versorgung Kommunikation Verbrauchsgüter Gebrauchsgüter Behausung
Wie? Ermöglicht durch alternative Energieerzeugungsprozesse wie z.B. Energy Harvesting oder klassische regenerative Energielösungen Erreicht durch z.B. wasserlose Hygienesysteme und einen selbstregulierenden Wasserkreislauf) Bereitgestellt durch die Nutzung von Maschennetzen bzw. Maschennetzwerktechnologie

 

Erreichbar durch z.B. vertical Farming (auch im individualisierten Maßstab denkbar) und ggf. 3D Druck, ebenso Hydroponics oder Urban Gardening Ermöglicht durch aktuelle Technologien wie z.B. 3D und ggf. 4D Druck oder gänzlich neue Ideen

 

Hierbei können ähnliche Technologien wie im Gebrauchsgüterbereich eingesetzt werden
Beispiele Solar Roadways http://www.solarroadways.com/intro.shtml

 

Rawlemon http://www.rawlemon.com/

Energy Harvesting http://www.golem.de/specials/energyharvesting/

Poopbus http://www.triplepundit.com/2014/11/renewable-energy-poop-bus-begins-operating-u-k/

Energie aus Erdstrahlung http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17284-2014-03-04.html

Vakuumenergie http://www.focus.de/wissen/weltraum/odenwalds_universum/odenwalds-universum_aid_68788.html

Energienetz http://www.fastcoexist.com/3040833/world-changing-ideas/you-dont-need-an-energy-company-when-you-can-buy-power-from-your-friend

 

Neuerfindung der Toilette http://www.gatesnotes.com/Development/Reflections-on-the-Reinvent-the-Toilet-Challenge

Energie aus Abwässern: http://www.stern.de/wissen/bill-gates-praesentiert-janicki-omni-processor-maschine-verwandelt-faekalien-in-trinkwasser-2164492.html

Andere Möglichkeiten Abwässer autark zu filtern http://www.slingshotdoc.com/ http://www.lifesaversystems.com/

 

Firechat http://t3n.de/news/firechat-messenger-537030/ https://www.wired.de/collection/latest/demonstranten-hongkong-nutzen-firechat-fur-widerstand

Freifunk http://freifunk.net/

 

3D Druck http://www.stern.de/wissen/technik/nahrung-aus-dem-3d-printer-die-erbse-die-aus-dem-drucker-kommt-2132364.html

http://www.handelsblatt.com/technik/das-technologie-update/frage-der-woche/pralinen-broetchen-nudeln-koennen-wir-uns-das-essen-bald-zu-hause-ausdrucken/9414582.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/nudelhersteller-barilla-spaghetti-aus-dem-3d-drucker-12744277.html

Vertical Farming http://www.verticalfarm.com/

Im individuell nutzbaren Stil:

https://grobo.io/

http://www.seedolab.com/

3D Druck http://www.tagesspiegel.de/wissen/zukunftstechnologie-was-3-d-drucker-wirklich-koennen/9266628.html

http://www.golem.de/news/peachy-printer-mini-3d-drucker-fuer-etwa-70-euro-1309-101744.html

4D Druck http://3druck.com/forschung/4d-printing-selbstformende-materialien-539181/

Aus Laub bauen http://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/taufkirchen-wenn-aus-gepresstem-laub-geschirr-entsteht-1.3200570

 

IAAC http://iaac.net/printingrobots/

3D- Druck

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/innovation-eine-villa-aus-dem-3d-drucker-13466157.html

Städte binnen weniger Stunden aus recylebarem Material gedruckt:

https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article140264641/Die-chinesische-Luxus-Villa-aus-dem-3-D-Drucker.html

Und dann gibt es da natürlich auch noch die Optionen, welche den Nutzer direkt auf einen Schlag umfassend autark machen. Initiativen & Projekte wie Wohnwagon oder Ecocapsule z.B.

Mehr zu den bereits heute bietenden Möglichkeiten der “Autarkisierung”, samt einer Kurzzusammenfassung bis hierher findest du hier zusammengetragen.

Autarkie wird bereits seit geraumer Zeit von der einen oder anderen Seite konzeptuell tangiert. Konkret zum Beispiel in Gestalt der Circular Economy oder Kreislaufwirtschaft.

 

Ok, mag sein, dass es realisierbar ist, aber was habe ich davon?

In kurz: Die Freiheit zu tun und lassen was du möchtest. Nein, ehrlich.

Die hast du heute schon? Dann beantworte mir folgende simple Frage:  wie frei bist du, wenn dir eine 0 vor dem Eurozeichen auf deinem digitalen Konto zugewiesen wird?

Kannst du wirklich den Lebensstil den du möchtest ohne Einbußen weiterführen, ohne vom Kapital zu Fall gebracht zu werden? Und ich rede nicht vom Ersparten als Backup.

Was Autarkie dir bietet ist nicht weniger als die Möglichkeit die alle Träume ohne definitionsgemäß notwendige Gegenleistung zu erfüllen. Natürlich wirst du immer noch mit anderen kooperieren müssen, natürlich bleiben juristische Einschränkungen erhalten. Aber mit Autarkie und den sie ermöglichenenden Technologien kannst du dich an jedem Platz der Welt niederlassen und diesen genießen. Woher dein Haus kommt? Das entsteht während du im Ort Caffee trinkst. Woher die Materialien dafür kommen? Direkt von dem Ort an dem es gebaut wird. Das ist die Vision. (Dies wird natürlich erst möglich, sobald alle Menschen autark sind und die globale Politik entsprechend offener geworden ist)

 

Schön und gut, aber wie soll es die Welt retten wenn ich ein paar Maschinen zusammenbringe?

Denken wir in größeren Skalen. Wenn nicht nur einer oder ein paar wenige autark sind, wie verändern sich Systeme und ganze Kulturen dadurch?

Aktuell lebt der Großteil der Menschheit im Kapitalismus. Einem System welches für die meisten bedeutet Arbeitskraft gegen Geld zu tauschen wovon sie alles weitere finanzieren. Oder anders formuliert; um das zu bekommen, was ich möchte, muss ich aktuell den Umweg über die Idee Geld machen. Wenn ich also z.B. Fußball spielen möchte, dann kann ich nicht einfach so Fußball spielen, sondern ich brauche Geld um mir einen Ball zu kaufen, Schuhe, etc.

Damit bin ich gezwungen Geld zu erlangen, bevor ich Fußball spielen kann.

Da an dieser Stelle häufig der Einwand kommt, dass es früher alles viel schwerer war und der Kommunismus keine Alternative ist, direkt folgende Anmerkung vorweg: Die aktuelle Systemik des Geldsystems ist Angesichts der aktuellen Möglichkeiten ein suboptimaler Zustand. Natürlich war es nie so einfach einen Fußball zu bekommen und noch nie zuvor gab es überhaupt Fußbälle für alle, doch darum geht es hier nicht. Nur weil es früher nicht so gut war und es andere, schlechtere Lösungen gibt, bedeutet das nicht automatisch, dass die aktuelle Lösung die beste ist.

Das vorweg gestellt führt uns zu der Frage: Und wie sieht das im Autarkismus aus?

Wenn jeder autark ist, wird der Fußball automatisiert gefertigt und ich kann direkt nach der Produktion im heimischen 3D-Drucker damit spielen. Ohne Umwege, ohne irgendwelche Verpflichtungen irgendwem gegenüber.

Denken wir diesen Gedanken weiter. Wenn nun immer mehr Menschen autark sind, bishin zum Achtmilliardensten, wie sieht die Welt dann aus?

Zunächst einmal ergeben Kriege und Beschaffungskriminalität nichtmehr nur moralisch sondern erstmals auch logisch keinen Sinn mehr. Denn wenn jedes materielle und daraus abgeleutet fast jedes denkbare Bedürfnis automatisiert befriedigt werden kann, brauch niemand mehr irgendjemanden zu bestehlen, er hat ja jederzeit was er braucht.

Auch Kriege werden meist ausgefochten um Ressourcen zu erlangen, Ressouren erlangen brauch niemand mehr, wenn jeder alle Ressourcen hat die er braucht. Und Terrorismus der mittlerweile vor allem fanatisch gefärbt scheint? Nun der wird direkt an der Wurzel ausgemerzt, denn Menschen die Perspektive und ein akzeptables, ja gar glückliches Leben haben, lassen sich nur sehr widerwillig instrumentalisieren. Natürlich werde ich nach dem erstbesten Strohhalm greifen wenn meine Familie in Gefahr ist und die einzige Chance auf eine Zukunft in einem Heilsversprecher liegt. Doch diese Gefahr lässt sich dann einfach materialistisch nicht mehr aufbauen.

Was ist mit Naturkatastrophen, Ausbeutung und Umweltvernichtung? Nun dank Autarkie ist einerseits buchstäblich jedes Haus ein potenzielles Rettungsnetz für jeden anderen Menschen, was infrastrukturelle Einbrüche extem eindämmt. Wenn mein Haus von einem Hurricane zerfetzt wurde, mein Nachbar allerdings alles automatisiert produziert, dann kann ich problemlos bei ihm unterkommen. (Vorausgesetzt, die Nachbarschaft hält zusammen, aber dazu gleich mehr)

Andererseits kann zerstörte Infrastruktur unter Einsatz aktueller Techniken binnen Stunden und Tagen wieder aufgebaut werden statt bisher in Monaten bis Jahrzehnten.

Ausbeutung wird in der Sekunde der Autarkisierung des Einzelnen verschwinden. Warum? Nun wenn ich nicht mehr von dem letzten Drecksjob abhängig bin um Miete, Essen und Strom zu bezahlen, dann werde ich diesen auch schlicht einfach nicht mehr ausführen. Dieses simple Mechanismus lässt sich auf jede Branche in jedem Staat der Welt anwenden. Selbiges gilt für Ungleichbehandlung jeder Art.

Was mich zum letzten Punkt, der Umweltvernichtung bringt: Da Ressourcen grenzenlos abgebaut werden um grenzenloses Wachstum zu ermöglichen, tötet der Kapitalismus durch seine Natur die Erde. (Es sei denn er zielt auf nahezu unerschöpfbare Ressourcen ab) Wenn jeder in einem Kreislaufsystem mit allem versorgt ist, besteht keine Notwendigkeit mehr, immer mehr Ressourcen in immer größerer Geschwindigkeit aus der Erde zu reißen. Im Gegenteil, wir haben durch Autarkie endlich wieder Zeit die Natur wertzuschätzen und uns um sie zu kümmern. Es ist ja keine Deadline mehr in unserem Nacken, welche uns ans Hamsterrad des “höher schneller weiter” kettet.

In einem System, welches nicht mehr auf Konkurrenz per Definition besteht, sondern Freiheit in den Mittelpunkt rückt, werden wahrscheinlich auch die sozialen Interaktionen explodieren. Denn Neid ergibt keinen Sinn mehr.

Noch ein Punkt, was ist mit Diktaturen? Dazu die einfache Gegenfrage: Wie einfach ist ein Volk zu beherrschen, welches keinen Führer braucht um glücklich zu sein?

Bereits Teiltechnologien dieses Autarkieszenarios haben allein schon zu Revolutionsgrundlagen geführt, es wird wohl nicht sonderlich viel Macht übrig bleiben, wenn man revolutionären Kräften nichtmehr “den Hahn zu drehen kann”.

 

Ein Blick unter die Kühlerhaube; wie funktioniert Autarkie?

In kurz: Durch die gegenseitige Ergänzung der Einzelteile und die dadurch geschaffene Unabhängigkeit für den Nutzer. Utopie Maschinenraum

Autarkie orientiert sich 100% am nutzenden Menschen und den Dingen die er zum leben benötigt.

Das bedeutet Autarkie stellt Nahrung, da der Mensch Energie zum leben benötigt und diese über die Nahrungsaufnahme bekommt. Sie stellt Kommunikationsmöglichkeiten, da der Mensch ein soziales Wesen ist und sich mit anderen Menschen austauschen möchte.

All diese verschiedenen Lebensbedingungen werden geschaffen, doch insoweit unterscheidet sich Autarkie noch nicht großartig vom Kapitalismus, auch dort werden Güter und Dienstleistungen für den Einzelnen zur Verfügung gestellt, in Umfeldern wie der Tafel auch unentgeltlich wenn auch nicht frei. Kernunterschied sind dabei zwei Dinge; 1. Die mögliche Individualisierung und 2. der Kreislaufcharakter.

Individualisierung daher, da das System mit jeder Nutzung besser seinen Nutzer versteht, so dieser das möchte, und daher die Nutzung mit jeder Nutzung bequemer wird. Auch dies gibt es im Kapitalismus, allerdings nicht im Verbund mit den anderen Autarkieeigenschaften.

Und zu guter letzt der größte Unterschied; der Kreislaufcharakter. Ziel der Autarkie ist es, und da liegt ein großer Teil ihrer Utopie, alle Bedürnisse ohne externe Ressourcenhinzunahme abzudecken. Was praktisch bedeutet jedes Möbel, jedes Kleidungsstück, jede weggeworfene Nahrung und jedes defekte Gerät müssen zu 100% wiederverwertbar und direkt nach dem Recycling wieder einsetzbar sein. Ziel ist dabei ein Massegleichnis – also ein stetiges Kontinuum der verwendeten Masse, lediglich die daraus genutzten Verwendungszwecke sind unterschiedlich.

Der schnellste Weg dorthin verläuft wahrscheinlich über Biomaterialien, da diese am effizientesten über alle Verwendungszwecke hinweg wiederverwertet werden können, lediglich Energie ist zusätzlich notwendig. Allerdings ist es nicht besonders einfach vom Beton über die LED und Platinen bishin zur Jeans alles aus mehr oder weniger einem biologischen Material zu fertigen. Unmöglich ist es allerdings auch nicht wie viele Projekte bereits heute zeigen.

Eine Alternative bieten “omnipotente” kombinierte 3D /4D Druck– und Recyclingsysteme, welche allerdings erst in den Kinderschuhen stecken und oftmals sehr teuer sind momentan.

Wenn diese Hürden allerdings genommen sind, und hier kommt die TPD ins Spiel denn diese Hürden können von politischer Seite ganz erheblich angegangen werden, steht der Autarkie des Individuums und damit erstmals in der Geschichte wirkliche Freiheit nichts mehr im Wege.

Davon abgesehen tritt Autarkie nicht an, den Kapitalismus zu beerben oder zu Grabe zu tragen. Sie bricht nur seine Dominanz auf. Handel wird womöglich noch auf lange Zeit hin ein starker Innovationsmotor sein, doch selbst dazu bedarf es vielleicht in absehbarer Zeit keinen klassischen Kapitalismus mehr. Auch ohne Autarkie.

 

Utopie-Fazit

Taugt Autarkie wirklich zur Utopie? Ein Indiz dafür ist, dass ein dem Autarkie sehr ähnliches Utopie-Konzept von Seiten der linken bzw. klassisch antikapitalistisch argumentierenden Theoretikern kommt, nämlich der so genannte Luxus-Kommunismus. Auch wenn diese beiden Utopie-Ideen noch nicht exakt das gleiche wollen, sind sie sich doch ähnlich genug, dass man der Autarkie eine plausible Zukunft auch von Seiten klassischer Staatstheorie vorhersagen kann. Ob sie dann auch eintritt, liegt wie immer an uns allen. Das ist bei jeder Utopie das gleiche, es müssen alle mitmachen. Nur war es noch nie so einfach und komfortabel wie mit dieser Vision aus Utopie Realität zu machen.

Autarkie kann uns alle in das gelobte und oft verheißene Land bringen, nur ganz anders als es sich die meisten wohl vorgestellt haben. Grundprämisse der Autarkie ist die Freiheitsoptimierung des Individuums. Um diese zu erreichen muss noch einiges von politischer und ingenieurstechnischer Seite passieren aber wir sind dieser Vision näher als man vielleicht denken mag. Autarkie gibt uns allen wieder einen konkreten Traum von einer Zukunft in der wir alle leben möchten.

Und so schließe ich mit der Feststellung vieler Leute heute: Neue Utopien braucht das Land! – Eine haben wir euch eben gegeben.

 

Dieser Artikel stellt die persönliche Meinung des Autors dar und soll als Diskussionsgrundlage, oder um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, genutzt werden. Die hier dargelegten Standpunkte stellen nicht zwangsläufig die der TPD dar.

 

Benjamin Eidam