urheberrecht diskussion

Einseitigkeit im Urheberrecht

Die Diskussion um das Urheberrecht wird ungerecht geführt und ein Erhalt dieses Rechts ist längst nicht mehr zeitgemäß. Das Urheberrecht ist auf lange Sicht abzuschaffen. Geistige Inhalte, jedweder Form, die von Menschen freiwillig zur Verfügung gestellt werden und geteilt werden, dürfen weder einen Preis haben und damit vielen vorenthalten werden, noch durch Zensur vorenthalten werden, noch durch Auswahl oder Begünstigung.

Die Grenzen, was Kulturgut ist und was simples Gefasel, sind durch das Internet längst verschwommen und nicht mehr zu ziehen. Verdient eine Kurzgeschichte in einem Blog weniger Anerkennung als eine verlegte und verkaufte? Sind Menschen, die selber Musik komponieren und auf YouTube stellen, weniger Musiker, als bekannte Interpreten? Sind Biografien berühmter Persönlichkeiten wertvoller, als Online-Tagebücher unbekannter Menschen? Fan-Adventure und Games, Zeichentrickfilme und Podcasts auf YouTube weniger unterhaltsam, lehrreich und interessant als Ubisoft, ARD und Entertain?

Bis heute wird mit Kultur, Unterhaltung und Bildung professionell Profit gemacht, obschon freie Inhalte unzähliger Internetnutzer längst die Kulturlandschaft inspiriert und beflügelt haben, ohne dass die Urheber dafür je einen Cent gesehen hätten. Viele gerade uns heute vertraute Konzerne würde es nicht geben ohne die kostenfreie, freiwillige Arbeit aller.
Doch der Umgang mit Information wird einseitig blockiert. Privatleute sollen weiterhin massenhaft Informationen veröffentlichen und werden sogar erpresst, private Angaben von sich unfreiwillig zur Verfügung zu stellen, während Konzerne, die das Internet zu Profitzwecken nutzen, Informationen nur gegen Bezahlung herausgeben. Diese einseitige Haltung ist veraltet und in Zukunft nicht mehr tragbar. Ein weltweites BGE entschädigt alle, die unentlohnt am weltweiten Gemeinschaftsprojekt “Internet” mitarbeiten. Doch erst der kostenfreie Zugang zu allen öffentlichen Informationen kann die Einseitigkeit aufheben und uns endlich im Informationszeitalter ankommen lassen.

Transparenz vs Überwachung

Was sind öffentliche Informationen, was private? Der bis heute praktizierte, menschenrechtsverletzende Umgang mit Informationen hat zu viel Verwirrung geführt. Auch wenn mein Standort und mein Bewegungsprofil durch Smartphones, meine Fitnessdaten durch Fuelband erfassbar sind, mein Kaufprofil durch Kartenzahlung usw. …an diesen Daten gibt es kein öffentliches Interesse! Ebenso wenig wie an privater Emailkorrespondenz oder Telefonaten oder Chats. Und nur weil Konzerne diese Daten gerne hätten, weil sie sie gewinnbringend einsetzen können, haben sie kein Recht darauf. Wer hätte der Post jemals einen Brief anvertraut, wenn klar gewesen wäre, dass alle Briefe gelesen, kopiert und für jeden Kunden archiviert werden? Wie hätte sich die Telekommunikation entwickelt, wenn klar gewesen wäre, dass jedes Gespräch aufgezeichnet wird und ebenso archiviert wird? Technisch machbar war das schon lange. Wäre es jedoch so gewesen, hätten die Anbieter weniger Kunden gehabt und es wären parallel alternative Kommunikationswege entstanden. Das selbe wird mit dem Internet passieren, wenn Menschen das Vertrauen verlieren. Es wird geistig verarmen, wenn wir vor Großkonzernen einen Bückling der Resignation machen. Nur weil es technisch machbar ist, dass jeder Einzelne “gläsern” wird und seine Privatsphäre verliert, dürfen wir nicht davor kapitulieren.

Jedoch ist es von öffentlichem Interesse, was Menschen in Machtpositionen über andere entscheiden. Hier ziehe ich die Grenze zu “Überwachung” und “Transparenz”. “Überwachung” ist ein negativ konnotierter Begriff, der dafür steht, dass allen Menschen in Machtpositionen noch mehr Macht über den einzelnen gegeben wird. Überwachung führt zur Einschüchterung und Anpassung, zur Kontrolle und zur Lenkung und kann zur maximalen Unfreiheit benutzt werden. “Überwachung” nimmt immer den Weg von oben nach unten. Dagegen sollten wir entschieden eintreten, da die Überwachung der Ohnmächtigen durch die Mächtigen, der Freiheit, für die der Transhumanismus steht, widerspricht. “Transparenz” jedoch ist eine Sichtbarmachung von Macht und Entscheidungen, die in öffentlichem Interesse sind. Ein Chef oder ein Politiker darf auch als Privatperson nicht überwacht werden, jedoch müssen seine Handlungen, die er in seiner Funktion für andere ausführt, transparent sein. Wir sind es leider nicht gewohnt, dass es so herum läuft. Wichtige Entscheidungen werden immer noch über viele Köpfe hinweg im Geheimen getroffen, wie aktuell mit TTIP, private Daten jedoch ohne Zustimmung abgegriffen wie mit der Vorratsdatenspeicherung. Für die Zukunft des Informationszeitalters muss es jedoch genau andersherum laufen, wie bisher, ansonsten begraben wir es, bevor es aufblühen konnte.

 

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Dieser Artikel stellt die persönliche Meinung des Autors dar und soll als Diskussionsgrundlage, oder um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, genutzt werden. Die hier dargelegten Standpunkte stellen nicht zwangsläufig die der TPD dar.

Anja Esser