Zur Überwindung des Todes, Teil 3: Wege für „ewiges Leben“

Eine Anmerkung vorweg: Der nachfolgende Artikel soll einen groben Überblick über Möglichkeiten geben, die menschliche Lebenszeit bedeutend zu verlängern. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Vollzähligkeit; er ist eher als kleiner Überblick bzw. Einführung in das Thema gedacht und kann ggf. als Ausgangspunkt für eigene Recherchen dienen.

ewiges Leben

1. Ewiges Leben durch Nanotechnologie

Nanotechnik bedeutet die Beschaffenheit von Stoffen auf elementarer Ebene zu ändern, um gewünschte Effekte zu erlangen.
Nanotechnologie ist praktisch angewandte Wissenschaft auf beinahe unvorstellbar kleinem Raum. Wie weit Nanotechnologie auf der Größenskala in die Tiefe reicht, zeigt das Verhältnis eines durchschnittlichen Haares zum Nanometer: Ein einziges menschliches Haar misst ca. 100.000 Nanometer im Durchmesser.
Mit Technik auf diesem Teil der Größenskala wird es – wenn die Visionen vieler Forscher weltweit Realität werden – möglich sein, Krebszellen direkt bei der Entstehung gezielt auszuschalten.

Weiterhin wird es dann wahrscheinlich möglich sein, Alterungsprozesse direkt in den Zellen aufzuhalten und Wunden durch im Blutkreislauf schwimmenden Nanorobotern binnen kürzester Zeit zu heilen.
Bereits heute gibt es einige klinische Studien die sich mit der Wirkung von Nanotechnologie auf den menschlichen Körper auseinandersetzt. Vielleicht können wir in wenigen Jahren wirklich mit einem Atemzug 40 Minuten die Luft anhalten, weil die Nanoroboter in unserem Körper wesentlich besser darin sind, gezielt Sauerstoff zu speichern und abzugeben.

Dann bekommt auch der Ausspruch „Ich bin kurz im Pool“ wie von Ray Kurzweil festgestellt eine neue Bedeutung.

Links zum Thema:

2. Hochladen des eigenen Verstandes

Es gibt einige die daran glauben und viele die daran arbeiten den eigenen Verstand auf ein dauerhaftes Medium zu transferieren und somit unseren vergänglichen biologischen Körper von unserer Wahrnehmung und psychischen Existenz zu trennen.
Dies ist insofern spannend, als dass wir zwar zwingend einen Geist zur Verarbeitung von Sinneseindrücken und Erinnerung an Erlebnisse benötigen, allerdings nicht unbedingt einen fixen Körper dazu brauchen.
Sollten wir eines Tages die Möglichkeit dieser Technologie besitzen, könnten wir unseren Verstand theoretisch auch in den Körper eines Eichhörnchens, Oktopoden oder eines Baumes transferieren.
Die Wahrscheinlichkeit das wir uns binnen kürzester Zeit an die neuen Gegebenheiten anpassen ist sehr groß, selbst Affen können Roboter steuern die nicht einmal im selben Raum sind.

Und bereits heute kann man mit Gliedmaßen die nicht zum eigenen Körper gehören, arbeiten. Auch neue Sinne können mittlerweile jederzeit nach Belieben kreiert werden.
Diese Technologie gibt uns nicht nur ewiges Leben, sondern darüber hinaus die Möglichkeiten Dinge zu erleben die uns sonst nur Träume oder virtuelle Realitäten erlauben. (Sofern unser Speichermedium und seine Backups nicht kaputt gehen, aber auch in diesem Bereich nehmen die Gründe sich zu sorgen täglich ab)
Auf dem Weg dorthin kann KI uns nicht nur helfen ewig zu leben, sondern auch Wege zu finden dorthin zu gelangen.
Mind-Uploading ist zudem eine der wenigen Möglichkeiten die wirklichen Zugang zum Weltwissen ermöglicht, denn nur wenn das Wissen aller Menschen jedem Einzelnen jederzeit zur Verfügung steht – ähnlich wie ein Wikipediaartikel sobald weltweit gleichverteiltes Internet exisitert – geht endlich nicht mehr so viel Wissen verloren wie mühsam zeitgleich generiert werden muss.
Ich kann mir eine Zukunft in der ich zeitgleich alles und jedes sein kann, was ich möchte – und jede Erfahrung jedes Menschen jederzeit erfahren kann – noch nicht vorstellen, aber ich vermute es wird buchstäblich unglaublich spannend.

Links zum Thema:

 

3. Ewiges Leben durch Klonen

Spätestens seit Dolly ist Klonen in der Öffentlichkeit angelangt, allerdings ist die Duplizierung von Zellen bzw. Organismen nicht nur aus Gründen der regenerativen Medizin und zu Fortpflanzungszwecken nutzbar.

Vielleicht kann man schon bald sein Ebenbild kopieren und so im Falle des Erleidens einer Krankheit oder eines Unfalles als Duplikat weiterleben

Man wird quasi unsterblich, da der Tod nicht alle Repräsentanten des eigenen Ichs zeitgleich auslöschen kann.
Dies setzt allerdings voraus, dass man entweder seinen Verstand direkt mit in den neuen biologischen Körper/Avatar überträgt, oder diesen separat hochläd, und dann immer wieder wie im vorhergehenden Punkt erläutert, in den nächsten genutzten Körper transferiert.
Letzteres gibt einem dann sogar die Option mehrere voneinander unabhängige Körper zeitgleich zu erleben, das erlebte wieder zum gespeicherten Verstand hinzuzufügen usw.
Die Möglichkeiten, die die Kombination dieser Technologien nach sich ziehen kann, sind aktuell schwer vorstellbar. Doch sie sind möglicherweise das ultimative Abenteuer.

Links zum Thema:

 

4. Die technologische Singularität

Als technologische Singularität wird im Transhumanismus der Zeitpunkt verstanden, an dem eine technologische Entwicklung schneller stattfindet, als das der Mensch ihr noch folgen kann.

Das am häufigsten zitierte Beispiel zur Erreichung dieser ist dabei die künstliche Intelligenz, die zu einer technologischen Singularität führen kann, wenn sie sich mit jeder Generation schneller weiterentwickelt als der Mensch dieser Entwicklung folgen kann. Und dabei das menschliche Verständnis irgendwann schlichtweg weit hinter sich zurück lässt.

Sollte die Singularität kommen und vom Menschen nutzbar sein, wird dieser sich so schnell verändern, dass er dem aktuellen Menschen wie ein “Gott” oder größeres vorkommen wird – egal ob diese Singularität durch KI, Nanotechnologie oder Biohacking hervorgebracht wird.
So sieht das zumindest einer der glühendsten Verfechter, Ray Kurzweil:

Wenn wir die gesamte Materie und Energie des Weltalls mit unserer Intelligenz gesättigt haben, wird das Universum erwachen, bewußt werden – und über phantastische Intelligenz verfügen. Das kommt, denke ich, Gott schon ziemlich nahe.
Ray Kurzweil: Menschheit 2.0. Die Singularität naht. Berlin 2013, S. 385.

In Falle des Eintritts wird Sterblichkeit generell für uns vermutlich ein uninteressantes Konzept an sich werden.

Links zum Thema:

 

5. Ewiges Leben durch Bewusstseinstausch

Angenommen, Sie finden es energiesparender, ein Bakterium zu sein. Oder Sie finden es spannender im Körper eines Oktopoden – dann sollten sie ihr Bewusstsein in einen anderen Körper oder Zustand transferieren.
Ähnlich wie vormals argumentiert wäre dies nicht nur eine Möglichkeit „klassisch“ ewiges Leben zu erlangen, sondern dies auf einem Weg zu tun, der einem zu keiner Zeit langweilig werden kann, da sich mit jeder gewählten Veränderung die gesamte wahrgenommene Realität vollkommen verändert.

Genauso gut kann man mittlerweile argumentieren, dass man als Mensch während seiner Lebenszeit potentiell mehrfach nach eigenen Vorgaben evolvieren kann, was, je nach Grad der Veränderung einer ähnlichen biologisch-intrinsischen Dissonanz gleichkommt.

Würde man den heutigen Menschen beim TÜV vorstellen, man würde ausgelacht werden und wahrscheinlich direkt wieder nach Hause geschickt werden. Unser Körper gleicht dank der nicht zielgerichteten zufälligen Evolution mehr einem Haus dem zuerst Wasserleitungen hinzugefügt wurden, um dann alles wieder zuzumauern. Dann wurde wieder alles aufgerissen und irgendwie mit Stromkabeln versehen. Anschließend wurde Dämmwolle hineingestopft usw. (Vergleich von einer ähnlichen Metapher über das Gehirn abgewandelt)
Vielleicht ist eine vollkommene Neukonstruktion vom Reißbrett weg keine undenkbare Idee mehr, hierbei könnte man vielleicht – die richtige Technik und das Verständnis aller relevanten Prozesse und Subroutinen vorausgesetzt – den Alterungsprozess direkt ab Werk weglassen.

Links zum Thema:

 

Weitere Möglichkeiten „ewig“ zu leben:

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten und Ideen die aktuell vorangetrieben werden um im reinen Wortsinn ewiges Leben zu erlangen.
Das sind nicht immer Ideen die einen im klassischen Verständnis ewig leben lassen, aber zweifelsohne interessante Ansätze.
Ein paar davon hier in einer kurzen Auswahl:

 

Natürlich kann man argumentieren, dass wir wenn wir den aktuellen Trend fortführen, auch ohne Zuhilfenahme von derartigen Technologien immer älter werden, hat sich unsere Lebenserwartung doch bereits in den letzten 200 Jahren verdoppelt und im Vergleich zu früher mehrfach vervielfacht.
Zusätzlich ist eine gigantische Branche nur um Anti-Aging Produkte entstanden, bei denen nicht alle nutzlos sein dürften.
Aber das ist eine Entwicklung die Jahrtausende andauern wird, denn nur mit besseren Lebensumständen allein werden wir wahrscheinlich kaum die zweihundertfünfzigste Jahresmarke knacken können. Alt wie ein Baum werden sie so also leider nicht. Es würde eher einem endlosen warten auf’s längere altern gleichen, ein interessantes, aber doch nicht sonderlich motivierendes Gedankenexperiment.

Die TPD setzt sich daher u.a. für die konsequente Erforschung vieler lebensverlängernder Technologien ein, denn noch immer ist eines unseres größten Probleme weltweit aktuell der Tod.

 

Ein Auszug unserer Forderungen zum Thema aus unserem Parteiprogramm:

  • “Aktive Subventionierung der Erforschung lebensverlängernder Maßnahmen”
  • “Erleichterung des legalen Zugangs zu Kryostase sowie Förderung der intensiven Erforschung konservierender und verzögernder Verfahren zur Begleitung medizinischer Behandlungen bei traumatischen und lebensgefährlichen Verletzungen”
  • “Subventionierung der Forschung an fortschrittlicherer Nanotechnologie”
  • “Erarbeitung eines verantwortungsvollen Einsatzes von Biotechnologie und Gentechnik”

Informieren, debattieren sie gern mit uns und unterstützen sie und uns wenn das eine Zukunft ist, die Ihnen zusagt.

 

All die vorgestellten Ansätze sind wertvoll und wichtig, wenn wir allerdings wirklich große Durchbrüche in diesen Gebieten haben wollen, müssen wir mehr Ressourcen und Aufmerksamkeit in diese investieren.
Dafür setzen wir uns ein.

 

Bemerkung:

Dieser Artikel ist der 3. Teil einer dreiteiligen Serie zum Thema “Unsterblichkeit”

Hier geht es zum erstes Teil der Artikelserie: „Altern

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie: “Fünf Wege zur Unsterblichkeit

 

Dieser Artikel ist eine persönliche Meinung des Autors und soll als Diskussionsgrundlage, oder um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, genutzt werden. Die hier dargelegten Standpunkte stellen nicht zwangsläufig die der TPD dar.

Benjamin Eidam