Das Catervazän – Einführung

Catervazän, Anthropozän

Jeder Einzelne von uns kann die Welt verändern. Buchstäblich.

Die Zukunft verhält sich wie ein Zauberkünstler, zumindest oft recht zauberhaft und rätselhaft.

Wir sehen das Geschehen direkt vor uns, wir sitzen in der ersten Reihe und glauben zu verstehen, was da gerade passiert. Und doch kommt wenige Augenblicke später etwas vollkommen Unerwartetes, wir sind geschockt, entzückt, wollen wissen, was hinter diesem unbegreiflichen Schauspiel steckt. Das Problem ist nur, dass wir den Künstler bzw. die Ursache in diesem Falle nicht befragen können und uns auch kein Analyst oder Magier die Tricks verraten wird. Dennoch können wir uns das von ihm dargebotene Repertoire genau ansehen und daraus unsere Schlüsse ziehen. Auf diese Weise können wir vielleicht einen weiteren Bestandteil des aktuellen Tricks enthüllen …

Die Zukunft – unser Magier hier – verändert allerdings sehr schnell seine Trickkistenausstattung – so schnell, dass wir kaum hinterherkommen, die erzielten Wirkungen nachvollziehen zu können, geschweige denn, diese wirklich zu verstehen.

Beim aktuellen Kunststück der Zukunft wirken Klimakatastrophen, Automatisierung, Umweltgestaltung, geopolitische Konflikte und soziale Projekte im globalen Maßstab und komplexer multidimensionaler Interaktion untereinander auf uns ein.

Und so hat im Jahre 2002 der Nobelpreisträger Paul J. Crutzen ein neues geologisches Zeitalter vorgeschlagen: das Anthropozän.

Crutzen hat (wie bereits schon u. a. Antonio Stoppani 30 Jahre zuvor) anhand verschiedener Indizien festgestellt, dass die Menschheit als Ganzes mittlerweile der vorherrschende Beeinflussungsfaktor auf diesem Planeten ist. Sei es bei der Klimaerwärmung, der systematischen Veränderung unserer Lebensgrundlagen im globalen Stil oder der Entwicklung und Veränderung globaler (Öko)Systeme.

Benjamin Eidam kommt nach langer Recherche allerdings zu einem Schluss, der über diese Feststellungen sogar noch hinausgeht.

Er glaubt, dass die speziesumfassende Aussage, die das Anthropozän definiert, nicht mehr genug ist, der Wahrheit nicht (mehr) gerecht wird und dass der uns dargebotene Trick (mittlerweile) noch komplexer ist. Er schlägt deshalb als Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen ein neues „Zeitalter“ vor, eines, welches der seit kurzer Zeit vorherrschenden Veränderungsgeschwindigkeit gerecht werden soll und vielleicht das letzte rein von Menschen geprägte Zeitalter darstellt: das Catervazän.

Diese Bezeichnung leitet Eidam aus dem Wort Caterva (lat. „Gruppe“, „Schar“) ab und betitelt damit folgende These:

Nicht mehr nur die Menschheit als Ganzes verändert die Erde, sondern bereits Einzelpersonen und kleine Gruppen von Individuen tragen initiierend und auch darüber hinaus maßgeblich zu einer weitreichenden, tiefgreifenden sowie sich immer stärker beschleunigten Veränderung des Lebens auf diesen Planeten bei.

Benjamin Eidam ist nach eingehender Recherche zu dem Schluss gekommen, dass bestimmte Technologien mittlerweile einen kraftvollen Wirkungshebel darstellen, welcher den Einzelnen zum globalen Akteur machen kann. Er stimmt dabei verschiedenen anderen Autoren zu, dass unsere Technologien inzwischen derart potenzierende Eigenschaften besitzen, dass Kreativität, Forscherdrang und der damit verbundene Wissenszuwachs des Menschen ins beinahe Unvorstellbare verstärkt werden können.

Wie wird sich die Gesellschaft durch neue Technologien und neue wissenschaftliche Erkenntnisse verändern? – Welche persönlichen Konsequenzen werden bestimmte gesellschaftliche und technologische Entwicklungen haben? – Wie kann der durch Wissenschaft und Technologie geschaffene Wohlstand gerecht verteilt werden? – Wie gehen wir als Gesellschaft damit um, dass einzelne Personen bzw. kleine Gruppen von Personen und ihre Entscheidungen oder Erfindungen innerhalb kürzester Zeit die gesamte Welt verändern können?

Dies sind einige große und wichtige Fragen der Zukunft, mit denen sich die Transhumane Partei Deutschland wissenschaftlich und auch politisch auseinandersetzt.

 

Bemerkung:

Dieser Artikel ist eine persönliche Meinung des Autors und soll als Diskussionsgrundlage, oder um Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, genutzt werden. Die hier dargelegten Standpunkte stellen nicht zwangsläufig die der TPD dar.

In den folgenden Teilen dieses Blogartikels wird Benjamin Eidam seine Überlegungen zum Catervazän ausführlicher erläutern und dabei jeweils besondere Aspekte in den Vordergrund stellen.

 

Steven Bärwolf